360 ° Krisenfest - digitale Zivilschutz-Schulungen der THW-Jugend

Krisenszenarien üben bedeutete meistens das Lesen von Broschüren, Trockenübungen auf dem Gelände des Ortsverbandes oder langatmige Vorträge in einem Schulungsraum. Doch die Virtuelle Realität (VR) verändert grundlegend, wie Kinder und Jugendliche lernen können, in Notsituationen einen kühlen Kopf zu bewahren.

Das Projekt der THW-Jugend

Aus diesem Grund hat die THW-Jugend gefördert durch die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt Übungsszenarien entwickelt, mit denen Kinder und Jugendliche grundlegende Konzepte des Eigenschutzes in Krisenfällen kennenlernen.

Die Workshops vermitteln spielerisch, welche Grundlagen dafür wichtig sind. Die Immersion der virtuellen Realität trägt dazu bei, dass das Gelernte nachhaltig im Gedächtnis bleibt.

Folgende Szenarien befinden sich in der Entwicklung:

 

1. Blackout

Stromausfall. Plötzlich geht nichts mehr. Kein Handyempfang, kein Radio, kein Licht. Wie kann man sich in einer solchen Situation richtig verhalten? Das Szenario führt Kinder und Jugendliche durch dieses Beispiel und erläutert dabei die Grundlagen, wie man sich selbst, ruhig, bei einem Stromausfall verhält und welche Maßnahmen man selbst treffen kann.

 

2. Notfallrucksack

Echte Katastrophen sind zum Glück selten – doch sie können jede:n treffen. Eine gute Vorbereitung kann daher nie schaden. Das Motto: Better safe than sorry – Vorsicht ist besser als Nachsicht!

In diesem Szenario lernen Kinder und Jugendliche, was in einen Notfallrucksack gehört. Im Video haben sie die Auswahl zwischen vielen Gegenständen. Sie müssen selbst entscheiden, was sie bei einer Flucht mitnehmen müssen und was unnötig ist.

 

3. Signaltöne

Hand aufs Herz – weißt du, was die unterschiedlichen Sirenentöne bedeuten? Das wissen viele nicht, dabei ist es wichtig, im Krisenfall eine Warnung etwa von einer Entwarnung unterscheiden zu können. In diesem Szenario können Kinder und Jugendliche das in einem interaktiven Quiz selbst austesten.

 

Noch sind wir nicht so weit, euch die Inhalte zu zeigen, damit ihr sie einsetzen könnt. Wir informieren darüber, sobald die Inhalte fertig entwickelt sind.

Zwei Jungen in Uniform der TW-Jugend haltenen eine Stativstange für ein Flutlicht.

Flexibel anwendbar

Für die Szenarien verwenden wir die Software PaneoVR. Damit sind unsere Lehrinhalte überall verfügbar. Sie können sowohl über einen Internetbrowser gespielt werden, und sind damit auf allen Smartphones und Tablets einsatzbereit, als auch mit allen gängigen VR-Headsets über die App von PaneoVR.

Die volle Immersion – also das Hineinfühlen in die Situation – erreichen jedoch nur die VR-Headsets. Trotzdem ist das Angebot damit komplett ortsunabhängig einsetzbar und kann vor allem ohne viel Aufwand und Vorbereitungszeit eingesetzt werden.

Warum ist VR gerade für den Zivilschutz und die Ausbildung von jungen Menschen so wertvoll?

1. Flexibel bei Ort und Zeit

Der größte Vorteil ist die Flexibilität. In der VR können Kinder und Jugendliche verschiedene Katastrophenszenarien  erleben und beüben, ohne große Vorplanung. Dies ermöglicht ein „Learning by Doing“, das in der physischen Welt logistisch nur mit Aufwand umsetzbar wäre.

2. Wissen, das bleibt: Der Vorteil der Immersion

Studien zeigen, dass VR-Training herkömmlichen Methoden oft überlegen ist, wenn es um das Lernen von Informationen geht.

  • Langzeitgedächtnis: Eine aktuelle Untersuchung der Universität Würzburg (2025) im Bereich der Notfallmedizin bestätigt, dass VR-Trainings zwar kurzfristig ähnliche Ergebnisse wie Videos liefern, aber bei der Langzeit-Wissensretention deutlich besser abschneiden. Das Gehirn speichert das VR-Erlebnis eher als „echte Erfahrung“ ab.

  • Fokus und Geschwindigkeit: Laut einer PwC-Studie zu VR-Learning lernen Teilnehmende in VR bis zu viermal schneller als im Klassenzimmer und sind während des Trainings deutlich konzentrierter.

3. Ergänzung statt Ersatz: Die Brücke zur Praxis

VR will die praktische Übung nicht ersetzen, sondern optimal vorbereiten. Kinder und Jugendliche, die einen Ablauf bereits zehnmal virtuell fehlerfrei durchlaufen haben, gehen mit einer ganz anderen Selbstsicherheit in die reale Übung. Diese „kognitive Vorbahnung“ reduziert Stress und erhöht die Erfolgsquote bei physischen Handgriffen. Wer einen Blackout häufig erlebt hat, handelt auch in der realen Situation selbstsicher.

4. Kognitive Fitness für junge Köpfe

Gerade bei Jugendlichen fördert VR nicht nur das Faktenwissen. Die Jenaer „REVERIE“-Studie (2025) zeigt am Beispiel von Sport- und Bewegungsprogrammen, dass immersive VR-Umgebungen die Vernetzung im Gehirn und das Arbeitsgedächtnis stärken können – Kompetenzen, die in einer Stresssituation im Zivilschutz überlebenswichtig sind.

Förderhinweis

Die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt fördert unsere VR-Schulung finanziell.